Klar, die Wehen kommen alle drei Minuten, aber hey – sie hat schließlich einen Führerschein. Auf dem Storchenparkplatz veratmet sie kurz eine Wehe und hangelt sich anschließend bis zum Kofferraum, um von dort ihren Koffer allein heraus zu stemmen. Sie marschiert entschlossen in den Kreißsaal und lehnt sich bei jeder Wehe an eine Wand – neulich beim Pilates hat sie ähnlich viele Pausen gemacht. Die Hebammen wollen ihr die Türe öffnen aber sie hat den Griff schon fest in der Hand, sie ist kein Fan der alten Schule. Wenn der Schmerz nachlässt, rückt sie sich ihr Kissen zurecht und schenkt sich ein Schluck Wasser ein. Niemand soll denken sie braucht etwas. Die Hebammen? Sie möchte sich nicht aufdrängen, die haben eh schon einen harten Job. Und dann? Dann kommt das Baby. Sie fängt es selbst auf, legt es sich auf die Brust und haucht mit Tränen in den Augen: „War doch echt okay!“.
Zugegeben: Das Beispiel von meiner erfunden Miss Independent ist übertrieben, hat aber einen wahren Kern. Ertappst du dich nicht auch manchmal wie du denkst: „Ich will niemandem zur Last fallen“ oder „Ich muss das alleine schaffen“? Wenn du schon bei kleinen Dingen so denkst, warum sollte, dass dann für so ein aufwendiges und intensives Ereignis wie deine Geburt dann anders sein?
Geburt ist intim. Aber intim heißt nicht einsam. Heutzutage ist der Wunsch nach Unabhängigkeit stark verbreitet, leider auch in Momenten, in denen wir eigentlich getragen und versorgt werden sollten. Zu oft für meinen Geschmack werden Doulas für zusätzliches Publikum gehalten. Sie sind kein weiterer Zuschauer, sondern eine aktive Unterstützung für deine Geburt. Eine Doula ist nicht da, weil du Hilfe brauchst, sondern weil du Hilfe verdient hast und Geburt ein positives Ereignis sein sollte.
Die Studienlage dazu ist klar: Gebärende, die durchgehende Unterstützung während ihrer Geburt sicher stellen, haben niedrigere Cortisolwerte, was auf geringeren Stress hindeutet und eine kürzere aktive Geburtsphase. Sie haben eine höhere Rate an vaginalen Geburten, geringere Kaiserschnittraten und äußern seltener Unzufriedenheit über ihr Geburtserlebnis. Interessant ist auch, dass eine kontinuierliche Betreuung besonders hilfreich ist, wenn die begleitende Person nicht zum Krankenhauspersonal gehört und auch nicht aus dem Freundes- oder Familienkreis kommt – also zum Beispiel eine erfahrene, unabhängige Geburtsbegleiterin, wie ich es bin. Egal, ob du mich mit nimmst oder jemanden anderen, alle Frauen sollten bei ihrer Geburt mit Herz und Verstand gestärkt werden.
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doi: 10.3389/fpsyg.2021.582823
doi.org/10.1002/14651858.CD003766.pub4
